ONLY HUMAN – Liebe. Schutz. Partnerschaft.

Wenn man bedenkt, dass die Sexualaufklärung auch in hiesigen Gefilden oft zu wünschen übrig lässt, kann man sich leicht vorstellen, wie es damit in muslimisch geprägten Ländern aussieht. Deshalb ist die interaktive Wanderausstellung „ONLY HUMAN – Liebe. Schutz. Partnerschaft.“, die vom 18. bis zum 29.10. in der Bonveno Wohnanlage im Nonnenstieg 72 zu sehen ist, nicht nur für Geflüchtete interessant. Ich selbst habe dort zum ersten Mal ein Kondom für die Frau in der Hand gehabt.

[Text&Fotos: Vanessa Pegel]

Auf spielerische Art und mit wenig Worten regt die Wanderausstellung der Psychosozialen AIDS-Beratungsstelle der Caritas München mit Filmen, Apps und Türchen, die es zu öffnen gilt, dazu an, die eigene Sexualität und alles was sie so mit sich bringt, zu entdecken. „In den Gesellschaften, aus denen viele der Flüchtlinge kommen, sind Sexualität und die damit verbundenen Fragen stark tabuisiert“, sagt Regina Lange, Leiterin der psychosozialen AIDS-Beratungsstelle der Caritas in München. „Mit dieser Ausstellung wollen wir einen Beitrag leisten, dass sich die geflüchteten Menschen in kultursensibler Weise damit auseinandersetzen können.“

So begeben sich die Besucher auf eine informative und innovativ gestaltete Reise, die beim Verstehen des eigenen Körpers beginnt – einige muslimische Frauen hatten bei ihrer ersten Periode Angst, dass sie verbluten oder bestraft würden, weil sie von der weiblichen Menstruation noch nie etwas gehört hatten. Weiter geht die Reise mit der spannenden Frage, was man alles Schönes mit seiner Sexualität anfangen kann, wen man lieben darf [nämlich jede*n!] und wie, worauf man dabei achten sollte und warum eine liebevolle, gleichberechtigte Partnerschaft fernab von Fremdbestimmung – unter der übrigens auch viele Männer leiden – eine tolle Sache ist.

Dank der Bonveno gGmbH in Kooperation mit der Stadt Göttingen, dem Gesundheitsamt und der Göttinger Aidshilfe wird die Ausstellung erstmalig in Niedersachsen gezeigt und ist noch bis zum 29.10.2017 von montags bis freitags von 9-20 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen.

Ein paar Impressionen findet Ihr hier:

↑ So sieht das besagte Kondom für die Frau aus. Weitere Verhütungsmethoden sind zum Beispiel diese hier: ↓

↑ Der Leiter der Bonveno-Wohnanlage für Geflüchtete im Nonnenstieg 72, Jawed Yazdani, machte mich auf das Kondom für die Frau aufmerksam, das wir dann gemeinsam bestaunten.

↑ Simone Kamin von der Göttinger Aidshilfe räumt um und zeigt, wie vielfältig Partnerschaften sein können. Die Göttinger Aidshilfe hat gemeinsam mit Pro familia und dem Gesundheitsamt Göttingen das Konzept für die Führungen durch die Ausstellung entwickelt. Dabei liegen ihr vor allem die Aspekte der sexuellen Rechte und der sexuellen Gesundheit am Herzen.

↑ Simone Kamin von der Göttinger Aidshilfe und die Kuratorin der Ausstellung, Alexandra Maier von der Caritas München, hoffen, dass sich möglichst viele Geflüchtete und andere Interessierte die Ausstellung ansehen, um Liebe, Sex und Partnerschaft von Zwängen zu befreien und klar zu machen, dass jede*r das Recht haben sollte, so zu lieben und leben, wie er*sie es möchte.

↑ Die Fotolovestory zeigt, wie ein Kennenlernen in unserem Kulturkreis ablaufen könnte und dass es weder verboten, noch ein gegenseitiges Versprechen ist, wenn man sich nach einem Date zum Abschied in den Arm nimmt.

↑ Wer wissen will, was sich hinter diesem Türchen verbirgt, öffnet es am besten  selbst.

↑ Dr. Michael Bonder, Geschäftsführer der AWO Göttingen, eröffnete die Ausstellung mit einer ehrlich-herzlichen Rede und der Hoffnung, sie möge einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Geflüchteten trauen, ihren Horizont zu erweitern, um sich in unserer eher übersexualisierten Gesellschaft besser zurecht zu finden und an einer gleichberechtigten Partnerschaft Gefallen zu finden.

↑ Dr. Ceren Güven-Güres [UNICEF, Leitung Modellprojekt Gewaltschutz beim BMFSFJ] betonte die besonderen Probleme, mit denen lesbische, schwule, transsexuelle bzw. queere Geflüchtete zu kämpfen haben.

↑ Alexandra Maier [Caritas München], Conny Hiller [Bonveno Göttingen], Dr. Ceren Güven-Güres [UNICEF, Leitung Modellprojekt Gewaltschutz beim BMFSFJ], Simone Kamin [Aidshilfe Göttingen], Dr. Michael Bonder [Bonveno gGmbH], Petra Broistedt [Sozialdezernentin der Stadt Göttingen], Alptekin Kirci [Referatsleiter des Büros von Doris Schröder-Köpf, Nds. Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe], Iris Laskowski [pro familia Göttingen]

Veröffentlicht am: 20.10.2017
Autor: vanessa

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