Meister und Margarita im DT

„Puh“, stöhnten wir, als uns kurz vor der Premiere im Deutschen Theater Gewahr wurde, dass wir nun gleich für drei Stunden und zehn Minuten [!] in ein ominöses Stück über die Machenschaften dreier obskurer Gesellen hineingezogen werden würden. Ob ein Satan namens Woland [süffisant-galant: Gerd Zinck], ein Schriftsteller, den man Meister*1 nennt, und der römische Stadthalter Pontius Pilatus*2, der einst Jesus ans Kreuz nageln ließ, unsere Aufmerksamkeit für eine so lange Zeit würde fesseln können? Meiner Begleitung und mich beschlichen diesbezüglich große Zweifel, die sich jedoch währenddessen in Wohlgefallen auflösten.

[Text: Vanessa Pegel | Fotos: Isabel Winarsch]

Die Zeit verging, wenn nicht im Flug, dann auf jeden Fall mit viel Schub – schon alleine, weil alle involvierten DT-Schauspieler*innen ausnahmslos unfassbar gut mit ihren Rollen verschmolzen, sodass es eine ausgedehnte Freude war, ihnen dabei zuzusehen, selbst wenn man kurzzeitig den inhaltlichen Anschluss verpasste. Schließlich war schon die Romanvorlage von Michail Bulgakov zwar großartig, aber alles andere als stringent nachvollziehbar, daher wäre es fast schon seltsam gewesen, wenn man der klug gemachten Theaterfassung von Sonja Bachmann und Titus Georgi ohne Umschweife hätte folgen können. Treffen doch viele gesellschaftskritischen Anspielungen über den Zustand Russlands Mitte des 19. Jahrhunderts, mit denen sich der Arzt und Autor Bulgakov sowohl vor als auch nach seinem Tod beim Regime unbeliebt machte, in diesem Klassiker auf wechselnde Genres: Neben der Liebesgeschichte des Meisters und seiner Margarita*3 sorgen der Satan und seine grandios-famosen Gehilfen*4 im Varieté, in der Irrenanstalt und anderswo für eine Farce, während Pontius Pilatus tragikomisch in einen Konflikt mit seinem Gewissen gerät, weil er Jesus kreuzigen ließ, obwohl sein Herz ihm etwas anderes riet. Doch die Moral von allen Strängen in dieser Geschichte bringt Bulgakow auf einen Nenner und sie eignet sich hervorragend, um sie sich hinter die eigenen Ohren zu schreiben:

„Das größte menschliche Laster ist die Feigheit.“

Weitere Vorstellungstermine: 07. und 18. Februar, 05. und 27. März, 09. und 24. April sowie am 31. März 2019 jeweils um 19:45 Uhr im Deutschen Theater

Weitere Infos und Karten gibt’s hier.

*1 Der Meister [Valentin Schroeteler] hat es ein wenig schwer gegenüber dem überbordenden Charisma eines anderen vermeintlich verrückt gewordenen Schriftsteller namens Besdomny [Marius Ahrendt].

*2 Sowohl als reuiger Machthaber Pontius Pilatus wie auch als schleimiger Irrenarzt Dr Strawinski ein Volltreffer: Volker Muthmann

*3 Voll mitreißender Leidenschaft – ob als Margarita oder als Hund von Pontius Pilatus: Anna Paula Muth.

*4 Satan Woland entert Moskau mit seinen Assistenten: dem sprechenden Kater Behemot [alles andere als schmusig, aber dennoch charming: Leona Grundig], dem umtriebigen Rimski [ein strahlender Lukas Winterberger, der als Jesus erblasst] und dem brutalen Azazello [rabiat: Antonia Münchow].

** Bis hierhin ungenannt, aber keineswegs farblos blieben die ewig elegante und daher zeitlos wundervolle Angelika Fornell und der Neuzugang im DT-Ensemble, die quirlige Lea Gerstenkorn, die sich in ihren vergleichsweise kleinen Rollen dennoch einen Platz in den Zuschauerherzen eroberte.

Noch viel mehr Veranstaltungstipps findest Du
übrigens in unserem Online-Kulturkompass.

Veröffentlicht am: 05.02.2019
Autor: vanessa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.