Personal Jesus im JT gesehen

Wir haben uns „Personal Jesus“ im Jungen Theater reingezogen und dabei ist uns ziemlich heiß geworden, auch wenn wir am Ende sitzengeblieben sind.  

[Text: Vanessa Pegel | Fotos: Dorothea Heise]

Wenn der JT-Schauspieler Karsten Zinser schon bevor er überhaupt anfängt, „Wicked Games“ von Chris Isaac zu singen, zur Abkühlung eine Gießkanne Wasser über den Kopf geschüttet bekommt, dann kann man sich schon vorstellen, wie heiß es noch wird, nachdem sein enges, weißes Unterhemd erstmal triefnass ist …

Wer jetzt schreit „Sexismus-Alarm!“, dem*r sei gesagt: Karsten hat auch richtig gut und noch dazu ziemlich tief gesungen! Und davon lebt so eine Musik-Show im Jungen Theater schließlich, denn einen Handlungsstrang oder eine Art von Moderation wie in einer Revue sucht man hier vergeblich. Außer mir, meiner Begleitung und augenscheinlich Tina vom Stadtradio hat es am Premierenabend von „Personal Jesus“ allerdings auch niemanden gestört, als sich einfach nur ein von Fred Kerkmann und seiner Band neu interpretierter Hit aus den 80er-Jahren an den nächsten reihte. Deshalb lag es wohl an uns, dass wir uns bei den Standing Ovations am Ende nicht von unseren Stühlen lösen ließen. Zumindest ich erhebe mich nun im Nachhinein, denn nur weil ich im Theater auf Handlung stehe und am besten noch zum Nachdenken angeregt werden möchte, muss ich Miesepeterin ja bei den Standing Ovations nicht gleich blockig sitzenbleiben, wenn ich dort „nur“ geile Outfits und – meistens gute – Musik aus den 80er-Jahren präsentiert bekomme. Schließlich hat mir Katharina Brehl mit ihrem großartigen granantenmäßig-gefühlsexplosiven Gesang wie immer Gänsehaut gemacht und Karsten Zinser wurde übrigens später tatsächlich noch auf’s Kreuz gelegt, während er „Sweet Dreams“ von Eurythmics ins Mikro röhrte, hauchte, stöhnte und röchelte.

Außerdem hat sich auch der Rest vom JT-Ensemble in Sachen ausdrucksstarkem Gesang tierisch und gerne auch ironisch ins Zeug gelegt – bis auf Jan Reinartz, der in der Interpretation seiner Songs wie „Psycho Killer“ von Talking Heads oder „Losing My Religion“ von R.E.M eher verhalten vorging, was auf ihn aber wie ein Jungbrunnen zu wirken schien, denn er sah verdammt fresh und ziemlich fesch aus.

Den gesamten JT-Soundtrack zu den 80er-Jahren seht und hört Ihr Euch am besten selber an und denkt Euch dabei gefälligst, was Ihr wollt, anstatt wie ich einem Handlungsstrang hinterher zu trauern. Dann habt Ihr bestimmt soviel Spaß wie die drei Leute vor uns, die auf der Premiere in der ersten Reihe saßen und schon während der Vorstellung vor lauter Begeisterung kaum noch auf ihren Stühlen zu halten waren.

Hier die nächsten Vorstellungstermine: 1., 9. und 23. Februar sowie am 2., 15. und 29. März meistens um 20 Uhr. Karten gibt’s hier: www.junges-theater.de

Noch viel mehr Veranstaltungstipps findest Du
übrigens in unserem Online-Kulturkompass.

Veröffentlicht am: 31.01.2019
Autor: vanessa

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