Großer Fußball

Wenn der VONWEGEN-Teilzeitpraktikant André zum Stadion der Stadien reist, um sich das Fußballspiel der Spiele anzusehen, dann ist das natürlich einen ausführlich Bericht wert:
5 Tage England, Liverpool vs Chelsea und ein bisschen Tourismus

[Text & Fotos: André Grube]

„Wir fahren nach Anfield!“ Das ist ein Satz, mit dem man in Südniedersachsen anlässlich seines 30. Geburtstags definitiv nicht rechnet. Deshalb konnte ich es gar nicht fassen, ein solches Geburtstagsgeschenk von meinem Bruder und meinen Freunden zu bekommen. Wir, also mein Zwillingsbruder Kevin und ich, fahren an die Nordwestküste Englands nach Liverpool in dieses geschichtsträchtige Stadion des Weltfußballs? Und ich muss nicht einmal etwas vorbereiten? Happy Birthday to me!

Und jetzt die Tickets

Als erstes muss für ein Spiel in England überlegt werden, gegen wen es geht. Ein Spitzenspiel wäre am besten, gegen die Erzrivalen Manchester United oder den Lokalrivalen Everton. Ein Ticket für große Spiele zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Im groben Durchschnitt kostet ein Heimspiel in der englischen 1. Liga bis zu 80 €, wenn man als Normalsterblicher überhaupt an Karten rankommt. Denn die Spiele gegen prestigeträchtige Gegner sind an Liverpools Anfield Road Monate im Voraus ausverkauft. So auch bei uns. Ein Anruf bei der Ticket-Hotline brachte da sehr schnell Ernüchterung. Mein Bruder versuchte lange, an die begehrten Papierabschnitte zu gelangen und war zwischendurch schon ziemlich desillusioniert, doch schließlich ergatterte er dank der berüchtigten Hospitality-Option, auch Gastfreundschafts-Pakete genannt, noch Tickets für das Boot Room Restaurant im Stadion. Und zwar nicht gegen ein Team aus dem unteren Drittel der vergangenen Saison. Nein. Gegen den FC Chelsea! Die Blues aus dem Westen Londons. Die Ticketpreise hatte ich bereits erwähnt. Hospitality schlägt jedoch so richtig zu Buche. Über 300 £ sind pro Kopf nötig, um Fußball in Anfield zu genießen. Dafür allerdings inklusive Tickets für das Spiel, 3-Gänge-Menü, dem Eintritt für das Vereinsmuseum sowie der Möglichkeit, eine Liverpool-Spielerlegende im Restaurant zu treffen, aber ohne Transport und Unterkünfte.

↑ Güldene Zutrittsberechtigungen auf hochwertigem Papier.

April 2019. Donnerstag. Abreisetag

Die Flüge und die Unterkünfte waren in der Restzeit natürlich ein Klacks für meinen Bruder, der beruflich mit Reiseplanung zu tun hat. Und so ging es dann los, am 11.04.2019. Abfahrt um 17:07 Uhr mit dem Metronom nach Hannover, um von dort nach Manchester zu fliegen, da man den John Lennon Flughafen in Liverpool von Niedersachsens Hauptstadt nicht erreichen kann. Touchdown war um 23:20 Uhr deutscher Zeit, 5 Minuten früher als vorgesehen. Am Bahnhof nahmen wir den Zug zum schönen Manchester Piccadily Hauptbahnhof. Ein kurzer Fußweg und wir waren im Hostel. Im vorerst falschen, weil wir vorher nicht wussten, dass es dort zwei Hatters-Hostels gibt. Doch 200 m weiter die Straße runter konnten wir an der korrekten Adresse in der Hilton Street einchecken. Das Doppelzimmer mit Bad, komplementären Handtüchern, je einer Flasche Wasser und einem Keks für jeden war komfortabel. Durch die in Manchester ehemals blühende Textilindustrie ist das Northern Quarter mit ehemaligen Fabrik- und Lagergebäuden bebaut, was ebenfalls im Charme unseres Zimmers wiederzufinden war.

↑ Ankunft Manchester Station, erster Tag, später Abend. Da komme selbst ich mir klein vor.

Eins der Hatters Hostel Manchester. Leider das falsche!

Manchester: Football Museum und Old Trafford

Schon bricht nach unserer kurzen Nacht unser erster ganzer Tag in England an. Wir beginnen mit dem Auschecken und erkundigen uns an der Rezeption nach guten Frühstücksmöglichkeiten, worauf wir das eine von zwei HomeSweetHome in Manchester, ein paar Straßen weiter in der Edge Street, empfohlen bekommen. Dort angekommen erwartet uns ein Ambiente-Potpourri aus Kunst verschiedener Stile [vorzüglich Pop-Art], alternative Musik aus den ’60s und bunt tapezierte Wände. Wir entscheiden uns für das vegane Full English, dessen „Blutwurst“ hervorragend ist, sowie einfachen Kaffee und machen uns wieder zügig auf den Weg. Denn heute stehen zwei besondere Schmankerl auf dem Plan. Ziel unserer Reise ist der Stadtteil Trafford, wo wir das Stadion Old Trafford des Fußballvereins Manchester United erleben durften. Zwar sind das die Rivalen von Liverpool, aber mein Bruder ist Sympathisant dieser Mannschaft, weshalb dieses Ziel von ihm fest eingeplant wurde. Oder um Jürgen Klopp zu zitieren: „That’s that!“ Fans des Inselfußballs kennen die lange Tradition dieser innigen Feindschaft. Als mein erstes Stadion der Superlative überhaupt ein beeindruckender Bau. Insgesamt fasst es eine Besucherzahl von 74.994 Menschen, was man der Außenfassade bereits glauben möchte. Interessant ist, dass das Stadion direkt neben einer urigen Wohnsiedlung mit vielen kleinen, roten Backsteinhäusern steht, was für einen scharfen Kontrast gegenüber dem brachialen Backstein mit weißem Stahlkäfig des Stadion sorgt.

Die Erfahrung im Museum war recht interessant, weil dort viele besondere Exponate aus allen Epochen des englischen Fußballs präsentiert werden, doch insgesamt als Museumserfahrung für deutsche Touristen, die in Museen häufig einem roten Faden folgen müssen, sehr exotisch. Das sollte sich bei einem kurzen Blick ins Liverpool Museum wiederholen. Nichtsdestotrotz ein interessantes Stück Sportgeschichte. Danach ging’s dann schon ab zum Bahnhof, wo wir den Zug nach Liverpool bestiegen und uns einen kleinen, feinen Abend beschwerten.

↑ Manchester Uniteds Old Trafford zur Mittagssonne. Bereits von Weitem sind die weißen Stahlgebilde auszumachen.

See- und Stadionluft schnuppern

Das erste Ziel unseres zweiten vollen Tages ist das Klopp Mural. Dabei handelt es sich um ein knapp 5×4 m großes Gemälde von Jürgen Klopp. Gemalt wurde es vom Manchester-basierten Street-Artist Akse und es befindet sich an der Ecke Jamaica und Jordan Street im Baltic Triangle. Ein deftiges Frühstück gab es anschließend in der Baltic Roastery Jamaica Street. Und nun zum weltberühmten Hafen! Über die Hafenanlagen am Queens Wharf erreichten wir die urigen Royal Albert Docks. In ihnen befinden sich heute neben anderen das The Beatles Story Museum sowie Hotels, Restaurants, Cafés und Freizeiteinrichtungen verschiedenster Art. An Statuen und weiteren historischen Anlagen der Docks vorbei gelangten wir nördlich zum für alle Besucher kostenfreien Liverpool Museum, welches sich mit der Geschichte der Stadt befasst.

Ein kurzes Photoshooting mit den Beatles Statuen an der Waterfront nebenan veranlasste uns nach einiger Zeit mal wieder zu einem Blick auf die Uhr, die sagte: Zeit für Anfield! Auf der anderen Seite der Stadt, im Nordosten. Jedoch vorerst nur zum ansehen, es war ja erst Samstag. Das große Fußballspiel fand am darauf folgenden Sonntag statt. So konnten wir uns vor Ort bereits orientieren und dem großen Fanshop einen Besuch abstatten.

↑ Das Klopp-Mural und die Grube-Zwillinge in voller Pracht

Anfield. Eine Heimat.

Haltestelle Grasmere Street. Direkt auf der Breck Road. Ich bin echt nervös. Die Sonne scheint nach wie vor ununterbrochen. Es ist bereits früher Nachmittag. Wir drehen uns nach Norden in die Oakfield und da ist es. Es überragt alles in seiner Nähe. Anfield Stadium. In allen Richtungen außer dem Nordosten von einfachen Wohnsiedlungen umgeben. Das Herz dieses Stadtteils, nach dem es benannt ist. Rot und weiß wechseln sich auf ihm ab, wie auf den Heimfarben des Trikots. Wir bewegen uns darauf zu. Mein Bruder nicht weniger aus dem Häuschen wie ich. Aussagen des Erstaunen kommen aus unseren Kehlen. Wenige Worte. Das ist es. Hier werden wir morgen die Herrschaften des FC Liverpool zaubern sehen. Die Oakfield Road herunter gehend sehen wir bewohnte und unbewohnte Häuser. Pizzerien und mehr als ein Wettbüro. Außerdem The Church, eine alte, zur Bar umfunktionierte Kirche. Englischer Humor.

↑ Der Main Stand von Anfield. YNWA!

Auf Tuchfühlung 

Anfield und sein Gelände sind eine Melange aus Tradition und Moderne. Das Stadion selbst wurde nach und nach zu dem nachgebessert, was es heute ist. An damals erinnern noch die alten Zäune sowie deren Tore. Zum Beispiel der berühmte Paisley Gateway am Kop, 1999 im Namen des Trainers Bob Paisley eingeweiht, welcher in seiner Trainerzeit zwischen 1974-83 zahlreiche nationale sowie internationale Pokale nach Hause brachte.

Nach dem Aufsaugen der Atmosphäre auf dem gleichnamigen Paisley Square begaben wir uns in den daran liegenden, neuen LFC Superstore [einem hochmodernen Konsumtempel], um ein paar Souvenirs und Geschenke wie, selbstredend, Schals zu besorgen. Kann man natürlich auch alles im Deutschland bekommen – nur ist kein Fanschal so wertvoll wie einer direkt aus Anfield. Im Anschluss folgte ein Besuch am Denkmal des Hillsborough Desaster. Dieses wurde den 96 Verstorbenen und über 700 Verletzten des schrecklichen Vorfalls 1989 in Sheffield gewidmet. Bei einem Halbfinal-Pokalspiel zwischen Liverpool und Nottingham Forest gab es durch das Versagen der Sicherheitskräfte und der Polizei einen Massenandrang im Stadion, der zu diesem für den gesamten Fußball folgenschweren Zwischenfall führte. Erst im April diesen Jahres wurde erstmals einer der damaligen Verantwortlichen verurteilt.

Zurück im Hostel schauten wir in dessen hauseigener Hatch Bar ein Fußballspiel zwischen Manchester United und West Ham United, bevor wir den Sonnenuntergang am Hafen mit den Beatles Statuen zusammen bewunderten. Voller Vorfreude auf das am Sonntag stattfindende Spitzenspiel fanden wir uns zur angebrochenen Nacht im Hostel ein. Die Stadt hinterlässt mindestens für Fußballfans, sicherlich jedoch auch für alle anderen, einen Eindruck, dass sie jeden willkommen heißt, der sich auf dessen Wärme und Herzlichkeit einlässt.

↑ Die Beatles an den Three Graces, Pier Head. John Lennon bekam den Tipp, zu den Sternen und nicht nach Yoko Ono zu schauen. Kleiner Fakt: Ich bin 1,92m groß.

Sonntag. Matchday.

Es ist Sonntag. Bewölkt, 5 Grad auf der Celsiusskala. Heute ist der Himmel statt sonnig bedeckt. Liverpool braucht im Rennen um den stetig wechselnden Platz 1 in der Meisterschaft jeden Sieg. Wenn ihr Rivale in diesem Endspurt, Manchester City, die Skyblues, ebenfalls jedes kommende Spiel gewinnt, wird Liverpool mit 97 Punkten (und damit Vereinsrekord) auf Platz 2 die Saison beenden. ManCity wäre mit wiederum 98 Punkten Meister. Zynisch. Also muss heute gegen Chelsea ein Sieg her. Und Liverpool hat in den vergangenen sieben Jahren zu Hause gegen die Blues nicht gewinnen können.

Mit leichtem Gepäck suchten wir eine Lokalität fürs Frühstück. Am Spieltag überhaupt nicht so einfach. Nahezu alles war an diesem geschäftigen Tag mit Menschen in häufig roter Farbe gekleidet belegt. Nach einem kurzen Fußweg fanden wir uns jedoch im Lock&Key Hotel in der Duke Street ein. Neben uns nahmen zwei jüngere Herren in Liverpool-Trikots aus London platz, die uns zu unserer Erleichterung bestätigten, dass man Tagesrucksäcke mit ins Stadion nehmen darf.

Auf in die Schlacht!

Gestärkt machten wir uns auf den Weg. Eine Stadt in rot. Topspiel zu Hause. Das lässt man sich hier nicht entgehen, in dieser Stadt, die den Fußball so sehr lebt, dass er Teil der lokalen Identität ist. Auf der Reise ins Stadion kamen wir mit einer Vielzahl an Supportern ins Gespräch. Die häufigste Konstellation war das Vater-Sohn-Gespann. Aus Düsseldorf und Finnland zum Beispiel, alle das erste Mal in Anfield. Dort ist es voll. Auf den Tribünen werden während des Spiels 53.279 Menschen zugegen gewesen sein. Im Boot Room Restaurant angekommen bezogen wir unsere Plätze. Gemütlich und stilvoll-modern mit viel Holz, hellen Farben und Lichtelementen eingerichtet. Als reguläres Restaurant kann man hier jederzeit mit und ohne Reservierung speisen. Doch an Spieltagen ist es den Hospitality-Paketinhabern vorbehalten.

Vier nicht ganz unwichtige Reds. Geschossen im LFC Museum am Spieltag, nebenan vom Boot Room im inneren des Stadions.

Obligatorisches Selfie vor Anpfiff. Beide Teams stimmen sich auf deren Taktiken ein. Unstimmig: der Sitz meiner Basecap!

Zu Tisch mit einer Legende

Zu den Gästen zählten Menschen von rund um den Globus. Neben uns Platz nahmen erst ein australischer Gentleman indischer Abstammung, dann zwei deutsche Herren. Wieder Väter mit ihren Söhnen. Wieder alle zum ersten Mal im Stadion. Wer Hospitality im Boot Room bucht wird immer die Möglichkeit haben, mit einer anwesenden LFC-Legende zu plaudern oder Fotos zu schießen. Das war an diesem Tag der ehemalige irische Innenverteidiger und in England geborene Phil Babb, der von 1994 bis 2000 hier spielte und wegen eines Benefizspiel zugegen war.

Kosmos Anfield

Während unseres 3-Gänge-Menüs konnten wir live auf Großbildleinwand verfolgen, wie ManCity an diesem 34. Spieltag Crystal Palace 3:1 besiegte. Also lagen sie kurz vor Anpfiff in Liverpool wieder mit einem Punkt Vorsprung auf Platz 1 der Liga. Ein Ärgernis. Liverpool sollte jedoch nicht lange zweiter bleiben. Eine Stunde vor Anpfiff, der um 16:30 Uhr Ortszeit erschallte, machten wir uns auf ins Stadion. Die Plätze aus unserem Paket sind im Anfield Road End, der Stirnseite im Nordosten, gegenüber vom weltberühmten Kop. Durch die heiligen Katakomben aus rotem Backstein gelangten wir nach geglückter Taschenkontrolle in den ersten Stock der Tribüne. Platz nahmen wir direkt links hinter dem Heim-Tor. Vorne an der Balustrade. Rechts von uns eine der unzähligen Telekameras. Sitztribüne, selbstverständlich. In England nach der Hillsborough-Katastrophe eine Pflicht. Aber was für ein Ausblick! Rote Tribünensitze, besetzt von Menschen in roter Tracht. Ein Traum in Purpur.

Come on you reds!

Auf dem Rasen wärmten sich die Mannschaften bereits auf, als wir an unseren Sitzen eintrafen. Jeder einzelne Star war erkennbar. Direkt vor uns schoss sich der FC Chelsea warm, unter uns auf der rechten Seite des Erdgeschosses der Tribüne der sich mit Chelsea-Fans füllende Gästeblock. Scum, wie sich die Anhänger häufig betiteln. Sie machten sich mit ihrer Hymne ebenfalls warm. Zeitgleich fand eine wunderschöne Choreographie der Liverpoolfans statt, die aus riesigen, blockumfassenden Bannern im Gedenken an die Opfer von Hillsborough bestand. Das Spiel wurde vollends ihnen gewidmet, einen Tag vor dem 30. Jahrestag der Katastrophe.

Vor Anpfiff hielt das gesamte Stadion eine Schweigeminute ab, durch den Pfiff des Schiedsrichters begonnen und beendet. Selbst aus dem Gästeblock war außer leisem, ermahnenden „Pssst!“ an unwillige Anhänger nichts zu hören. Gelebter Respekt. Über den Spielverlauf und das Ergebnis verliere ich an dieser Stelle kaum Worte. Chelsea verlor in Jürgen Klopps 200. Spiel als Trainer unserer Reds mit 0:2 nach sieben Jahren mal wieder in Anfield. Die Details des Spiels findet man rigoros in den weiten des Internets. Was jedoch Erwähnung finden muss ist die Atmosphäre. Überwältigend trifft es bei Weitem noch nicht. Wie gesagt war dies meine erste große Im-Stadion-Erfahrung. Als die Tore fielen herrschte Ausnahmezustand auf den Rängen. Erstes Tor per Kopfball durch Mané und der Lautstärkepegel schoss nach oben. Wenige Minuten später Salah zum finalen zwei Null. Unhaltbar für Chelseas Schlussmann in die obere linke Ecke. Und das Stadion eruptierte in Freudenjubel und besang seinen „ägyptischen König“ mit dessen eigenem Lied. Aus dem Chelsea-Block obszöne Rufe und Gesten, sind sie doch in all der vergangenen Zeit regelmäßig hierher gekommen, um Liverpool zu schlagen oder mindestens am Siegen zu hindern.

Zum Spielende „Allez, Allez, Allez“ aus allen Hälsen der Unterstützer in rot. Ausnahmezustand. Und Abpfiff. Knapp drei Stunden nachdem Liverpool auf Platz zwei verdrängt wurde, nehmen sie wieder die Poleposition ein. Und das zu Recht und völlig verdient. Anfield könnte nicht stolzer sein.

Impression der 1. Halbzeit. Hier einmal ohne Druck auf das Heimtor.

Ligaspitze

Tabellenführung. „Top of the League!“ Diesen Tag werde ich wohl niemals vergessen. Ein von tiefem Herzen kommendes Dankeschön nochmals an alle Menschen, die das ermöglicht haben. Um 19 Uhr hieß es Feierabend im Boot Room. Die Busfahrt zurück wurde von singenden jungen Männern begleitet. Bei dem, was man gerade erlebt und durchgemacht hat, fällt es nicht schwer, in die Lobeshymne auf den aktuellen Liverpooler Innenverteidiger, Virgil van Dijk mit der Trikotnummer 4, mit einzustimmen. In der Innenstadt angekommen ist gegenüber des Bahnhof Lime Street ist die St. George’s Hall rot erleuchtet. Jedoch nicht wegen des Sieges des Klubs, welcher den Namen der Stadt trägt, sondern um Hillsborough zu gedenken. Auch 30 Jahre danach fühlt die gesamte Stadt den Schmerz des 15.04.1989 und hält den Gedanken an jene, die dort unter solch schrecklichen Umständen ihr Leben verloren. Top of the league again! Der Sieg war für euch. You’ll never walk alone.

Im Hostel angekommen war verdienter Schlaf angesagt, denn schon am nächsten Morgen reisten wir ab und dieser Tag konnte schlichtweg nicht noch besser werden. Ein vorerst letztes Mal gute Nacht, Liverpool. Es war mir eine Ehre.

PS: Wie ihr vielleicht wisst ist Liverpool mit zwei Punkten zu wenig dieses Jahr nicht Meister geworden. Und das mit sensationellen 97 Zählern! Mehr hatte in der Gechichte der Premier League nur eine Mannschaft. Zweimal Manchester City nämlich, dieses Jahr 98 und 2018 sogar 100 Punkte!

Und nichts desto weniger haben sie Europa erobert. Durch den Gewinn der Champions League Trophäe haben sie ihren Status als englischer Rekordmeister dieses Wettbewerbs auf 6 Siege ausbauen können. Gesehen habe ich dieses eher auf Taktik ausgelegte [und damit recht zähe] Spiel mit Freunden im Göttinger Fußball-Mekka „Stadion an der Speckstraße„, wo ich obendrauf auch noch das Tippspiel um einen Pitcher Bier für das korrekt erratene Ergebnis gewann.

Zur Meisterfeier in Liverpool kamen übrigens für die Ankunft des liebsten FCs der Stadt circa 500.000 Fans in die kleine Metropole am Nordwestzipfel Englands. Sagenhafte Bilder in rot. „Let’s talk about six, baby!“
Die nächste Saison kann kommen!

Am Folgetag des Spiels, dem 15.04.2019, jährt sich die Tragödie.

Big Andy mit Big Virgs Trikot in der Kabine des LFC Superstores neben dem Stadion.

Die Cavern Quarter Touristen und Partymeile direkt an unserem Hostel in Liverpool.

Die Choreographie zur Schweigeminute für die 96 Opfer von Hillsborough. Diese Abbildung befindet sich seitdem unterhalb des Kragens hinten an jedem Trikot des FC Liverpool.

Die Royal Albert Docks. Rechts Historie, links Moderne.

Nach dem Spiel vorm Stadion, Richtung Walton Breck Road. Links The Park Pub.

The Kop. The Legend. Die Flammen bei den Flanken des Wappens kamen nach Hillsborough dazu.

The Park Pub am Vortag des Spiels. Nach dem Spiel bekam man hier kaum einen Fuß auf die Erde.

Unweit der Beatles Statuen befindet sich das Denkmal von Captain F. J. Walker, Veteran der Atlantikschlacht im 2. Weltkrieg. Mit dem Royal Liver Building im Hintergrund.

Veröffentlicht am: 20.08.2019
Autor: admin

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