Lord Jo und Mario Biondi verstehen sich prima.

Mario Biondi und Lord Jo

#Kultur #Musik #Interview #Lokales

Lord Jo ist schon lange der größte Fan des italienischen Sängers Mario Biondi und sieht zufälligerweise auch noch so ähnlich aus. Darüber hinaus wohnt er direkt über dem VONWEGEN-Verlag und – genau wie wir – ist Lord Jochen [seitdem ihm eine kleines Stück Erde in Schottland geschenkt wurde, darf er sich Lord nennen] oftmals bis spät in die Nacht wach und hört gerne laute Musik. So kamen auch wir mit dem souligen Sound des Sizilianers in Berührung. Vor Kurzem ging dann ein lang ersehnter Traum von Lord Jo in Erfüllung: Er traf Mario Bondi persönlich und interviewte ihn in freundschaftlicher Atomsphäre ... 

[Text: Lord Jo | Fotos: Lord Jo, Mario Biondi]

 Mario Biondi und Lord Jo im Gespräch

 

Mit drei Nummer 1 Alben gehört der in Catania geborene Sänger mit der überwältigenden Stimme schon lange zu der Creme de la Creme [viele World Music Awards und weltbestes Album]. Doch hier bei uns ist er leider noch relativ unbekannt. Das Konzert in Herford sollte bereits im April 2020 stattfinden und wurde wegen Corona mehrmals verschoben. Am 17.06.2022 konnte es nun endlich auch zu meinem lang ersehnten Interview mit Mario kommen. Das vom Management strikt auf 15 Minuten angesetzte Gespräch dauerte dann doch über 30 Minuten, auch mit vielen Gesangseinlagen von Mario und mir.

Jo: „Mario, there`s nothing that I can do, I`ve set my mind on you.“

Mit diesem Zitat aus „Love is a temple“ begann ich das Interview.

Jo: Dein erstes Album war „A handful of soul“ mit dem High Five Quintett. Wie beschreibst du deine Entwicklung von diesem Album, bis hin zu „Dare“ und deinem neuen Album „Romantic“?

Mario kennzeichnete seine  musikalische Entwicklung über Jazz (seinem Schwerpunkt), Pop und Soul, Rhythm & Blues, bis wieder hin zum Jazz (z. B. „Jeannine“ auf „Dare“), dem sein Herz schon immer gehörte.

Mario: „Darf ich dich nach unserem Gespräch knuddeln?“

Jo: „Na klar, gerne! Lass uns nun über das erst kürzlich erschiene Album „Romantic“ sprechen.“

Mario: „Oh ja. Es ist mein persönlichstes Album, die Romantik passt sehr gut in die heutige Zeit. Das verdeutlicht gerade der erste Titel „The creator has a masterplan, peace and happiness for every man“. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Album.“

Besonders liegt Mario an dieser Produktion der Titel „Tu Malatia“ am Herzen, der von seinem verstorbenen Vater Stefano komponiert wurde und in Marios Muttersprache, dem Sizilianischen aufgenommen wurde. Als Vater von neun Kindern, legt Mario sehr großen Wert auf die Familie. In der langen, bedingt durch Corona, Livekonzert freien Zeit, konnte er das Familienleben genießen. Oft sind auch einzelne Familienmitglieder auf seinen Titeln zu hören beispielsweise singt seine Tochter Zoe die Backingvocals in „Romantic Song“ oder in Videos zu sehen: Zoe sitzt im Video „Cantaloupe island“ hinter ihrem Vater auf der Vespa. Auch sehen wir einzelne Kinder im Video „Santa Claus is coming to town“. Im Video zu „Lov Lov Love“ ist sein Bruder Stevie im Chor zu sehen. 

Mario ist sehr froh, dass endlich wieder Konzerte stattfinden können und er freut sich sehr über einen „Gentle approach to live music". Denn live aufzutreten bedeutet ihm unendlich viel und das wird auch immer wieder bei seinen überwältigenden Konzerten deutlich. Dafür sprechen auch die beiden hervorragenden Livedoppelalben „I love you more“, auf dem er zusammen mit dem Duke Orkestra viele Neuinterpretationen von Jazz Klassikern aufgenommen hat (auch als DVD erschienen) und „Yes You“ zusammen mit Incognito.

Aber auch auf der durch Corona bedingten Durststrecke hat er zusammen mit seinem langjährigen Freund Frankie Loveccio, dem Kopf der Canthina Band, ein hervorragendes Video herausgebracht. Aus der Canthina Band wurde kurzerhand die Casa Canthina Band und alle Musiker spielten den Bill Withers Klassiker „Lovely Day“ von ihren privaten Domizilen ein.

Mario: „Wenn du Musik machst und das nur als Job siehst, macht das keinen Sinn. Musik ist und war schon immer eine große Leidenschaft von mir. Die Musik habe ich im Blut, sie ist Teil meines Lebens.

Jo: „Es gibt ja viele verschiedene Marios, ich verweise hier besonders auf das tolle Video „Deep space“. Wie würdest du deinen Stil bezüglich deines Outfits bezeichnen? Du liebst ja auch Brillen und ganz verschiedene Bartformen.

Mario: „Ja, das stimmt, ich lege mich da nicht fest. Ich möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden, denn Schubladendenken, auch auf musikalischer Ebene, lehne ich ab.“

Mario hat mit vielen Größen der Musik zusammengearbeitet, kennzeichnend dafür ist u. a. das Album „Sun“ [Chaka Khan, Al Jarreau und  andere sind darauf zu hören]. 

Beeinflusst wurde er besonders von Letzterem oder von Ray Charles, Marvin Gaye oder auch Isaak Hayes. Auch mit Burt Bacharach ist er freundschaftlich verbunden. Besonders stolz ist Mario auf die wunderschöne Ballade „Something that was beautiful“, die Burt für ihn komponiert hat. Nicht zu vergessen ist hier auch Marios hervorragende Interpretation von „Close to you“.

Die enge Zusammenarbeit mit Incognito darf hier auch nicht vergessen werden [z. B. „Lowdown“], mit Bluey ist er eng befreundet. Auf dem Album „Yes You“ sagt dieser sinngemäß: “The world should know about this man, Italy can be very proud of him...“

Jo: „Mario, du wirst oft stimmlich mit Barry White verglichen. Ist das OK für ich?“

Mario [lacht]: „Yes, I am the white Barry White.“

Jo: „ Was sind deine Pläne für die Zukunft? Kannst du dir vorstellen, ein italienisches Album aufzunehmen, auch mit  sizilianischen Songs?“

Mario: „Mal sehen, vielleicht, die Idee ist nicht schlecht.“

Jo: „Danke für das sehr nette und persönliche Gespräch, ich freue mich nun sehr auf den Soundcheck und das Konzert.“

Mario: „Dankeschön Jo, es war mir eine große Freude!“ 

Wie anfangs versprochen kam es zur innigen Umarmung.

Allen, die nun Interesse an diesem außergewöhnlichen Sänger gefunden haben, möchte ich Marios neues Album „Romantic“ besonders ans Herz legen, aber bitte die Vinyl-Version als Doppelalbum, da Sony auch aus unerklärlichen Gründen für Mario die drei wunderschönen Balladen „Tu malatia“, „Ricuordate“ [feat. Lina Sastri] und die besonders schöne englische Version von „Prendila cosi“ auf der CD Version weggelassen hat. Auch sind hier einige sehr schöne Coverversionen zu hören, darunter der Marvin Gaye Klassiker "What`s going on“.

Mein Dank gilt Marios Management und ganz besonders Matteo, ohne dessen Unterstützung dies alles nicht möglich gewesen wäre. Many thanks dear Matteo!!! 

 

Wer nun ganz scharf darauf ist, Mario Biondi live zu erleben, hat am 13. November auf den Leverkusener Jazztagen die Chance dazu!

 

 

 

 

 

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