↑ VONWEGEN-Reporterin Vanessa und die Feministen: VONWEGEN-Kolumnist Herr Dunkel, VONWEGEN-Berater für alle Lagen Michi Graef und VONWEGEN-Lektor Chrischi Heise
Immernoch gibt es Männer, die bei dem Wort „Feminismus“ Ausschlag bekommen. Da wird verdrießlich geschnauft, als würde man Euch die Fernbedienung entreißen, während Fußball läuft. Doch die Wahrheit ist: Feminismus nimmt Euch nichts weg. Im Gegenteil!
von Vanessa Pegel
Wirklich smarte Männer sind Feministen, weil sie dadurch nur gewinnen können.
1.
Weniger Stress.
Wer nicht permanent den Fels in der Brandung spielen muss, lebt entspannter. Dieses „Ich regele das schon, Schatz!“ ist kein Prädikat, sondern ein Risikofaktor. Herzinfarkt-Statistiken lesen sich nicht zufällig wie ein Regelwerk für den Männerstammtisch. Wer glaubt, Gefühle seien eine Schwäche, über die man nicht spricht, schleppt sie trotzdem mit sich herum und nennt sie dann später Bluthochdruck. Feminist sein bedeutet, zu sagen: „Mir geht’s nicht gut“ – bevor der Körper zum Warnsignal wird.
2.
Befriedigendere Beziehungen und besseren Sex.
Männer, die zuhören, mitfühlen, im familiären Alltag Verantwortung übernehmen und Care-Arbeit nicht als Nebenjob ihrer Frau, sondern als Teamarbeit verstehen, dürfen sich über häufigeren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch besseren Sex freuen. Warum? Weil deren Frauen mehr Zeit und natürlich auch Muße dafür haben und eher dazu geneigt sind, ihre erotischen Begehrlichkeiten zu äußern, wenn selbige tatsächlich auch gehört, verstanden und liebevoll umgesetzt werden. Männer, die einfühlsame Liebhaber sind und wissen, wie man die Spülmaschine einräumt, Windeln wechselt und Essen kocht, bekommen nicht nur Respekt, sondern auch echte Nähe und Verbundenheit. Beides schützt vor Einsamkeit – und Einsamkeit ist erwiesenermaßen mindestens so ungesund wie täglich eine Schachtel Kippen.
3.
Echte Freiheit.
Diese ganze Nummer mit „Ein Mann muss doch…“ stark sein, erfolgreich, dominant, unerschütterlich – ist kein Naturgesetz, sondern ein ziemlich enger Gürtel, der auf Dauer zu Durchblutungsstörungen führt. Feminismus sprengt diesen Gürtel. Er sagt: Du darfst weich sein. Du darfst scheitern. Du darfst Hilfe holen, ohne dass Dir Dein Gemächt abfällt. Und plötzlich wird Männlichkeit größer statt kleiner. Weil Ehrlichkeit und Empathie sexy sind, während patriarchalisches Gehabe die weibliche Libido in die Knie zwängt (Querverweis: toxische Männlichkeit).
Und jetzt mal Hand auf Herz und Hirn: Wie anstrengend ist es eigentlich, ständig den harten Kerl performen zu müssen? Den Ernährer. Den Macher. Das Schaf im Wolfspelz mit den dicken Eiern, die doch eigentlich nur gekrault werden wollen. Wer Feminist ist, muss nicht ständig performen – er darf einfach sein. Das spart Energie. Und Energie ist Lebenszeit. Natürlich bedeutet das auch, Privilegien zu hinterfragen. Das tut manchmal weh. Davon können wir Frauen ein Klagelied singen und deshalb gibt es übrigens auch den Weltfrauentag am 8. März. Weil Gleichberechtigung Gerechtigkeit bedeutet und Ungerechtigkeit unglücklich macht!
Also macht Euch bitte endlich bewusst: Feminismus ist keine Anti-Männer-Bewegung! Er ist eine Pro-Menschen-Haltung. Er fordert Fairness, gleiche Chancen und gegenseitigen Respekt. Und er bietet im Gegenzug etwas, das viele Männer dringend gebrauchen könnten: die Erlaubnis zu mehr Menschlichkeit. Weniger Druck. Mehr Dialog. Weniger Konkurrenz. Mehr Kooperation. Weniger Kampf. Mehr Liebe – vor allem auch Euch selbst gegenüber.
Und ja, das hat gesundheitliche Vorteile! Studien zeigen: Männer, die Gleichberechtigung leben, berichten von höherer Lebenszufriedenheit, weniger Stresssymptomen und stabilerer psychischer Gesundheit. Wer Emotionen zulässt, sucht lieber ärztliche Hilfe, anstatt den frühzeitigen Tod in Kauf zu nehmen (Frauen leben durchschnittlich fünf Jahre länger) oder sich aus Verzweiflung selbst das Licht auszuknipsen (73% aller Selbstmorde in Deutschland begehen Männer). Wer partnerschaftlich lebt, steht nicht alleine unter Versorgungsdruck. Wer Sorgen teilt, hat weniger Pein allein.
Und damit zurück zum angeblichen Ausschlag. Vielleicht ist es gar keine allergische Reaktion auf Feminismus. Vielleicht ist dieses Kribbeln unter der Haut nur die ungewohnte Freiheit, Euren weichen Kern in Eurer harten Schale zu erspüren. Vielleicht handelt es sich tatsächlich um das gute Gefühl, dass niemand mehr von Euch erwartet, unkaputtbar zu sein.
Also, Männer: Keine Sorge!
Euch nimmt schon keiner die Fernbedienung weg. Doch vielleicht bekommt Ihr trotzdem Zugriff auf ein geschmeidigeres Programm jenseits vom Abseits. Eines mit weniger Elfmetern, weniger Blutgrätschen, ausgedehnterer Nachspielzeit und mehr Freistößen. Und wenn Feminismus am Ende dafür sorgt, dass Ihr länger lebt, besser liebt und nachts ruhiger schlaft, dann ist das vielleicht gar kein Ausschlag. Sondern ein Aufatmen.
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