Was geschah, als ich Corona bekam

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Wenn man als Corona-Kranke von Amts wegen dazu aufgefordert wird, das Risiko einzugehen, andere Menschen anzustecken, um offiziell zu beweisen, dass man infiziert ist, dann versteht man als zartbesaitete Seele die Welt nicht mehr. Ein Erfahrungsbericht.

[Text: Vanessa Pegel | Illustration: Fräulein Freud]

Nachdem ich eine geraume Zeit an meinem coronalen Burn­out herumgedoktert hatte, packte ich mein Meditations­kissen, auf dem ich bisher nur selten gesessen hatte, und fuhr in ein Yoga-­Ashram, um neue Kraft zu tanken. Das funktionierte ziemlich schnell sehr gut bis zu dem Zeitpunkt, als sich herausstellte, dass sich dort auch CoVid eingenistet hatte. Alle Gäste, die keinen direkten Kontakt zu den Erkrankten hatten, sollten umgehend abreisen, verfügte das Gesundheitsamt Kreis Lippe. 

Ohne Test, einfach weg. Komisch!, dachte ich. Hatten wir hier – zwar regelkonform mit Masken, Abstand und allem Pipapo – aber doch in Gemeinschaft zusammengelebt. Sollte man in so einem Fall nicht sichergehen und alle Gäste gründlich testen, bevor man sie in sämtliche Himmelsrichtungen von dannen schickt? Auch wenn das Gesundheitsamt Kreis Lippe dies offensichtlich nicht als notwendig erachtete, verordnete ich mir vor dem Heimweg sicherheitshalber selber einen Schnelltest, bevor ich mich auf den Weg machte. Selbiger war negativ, was mich beruhigte – zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte.

Eine schleichende  Gewissheit

Drei Tage nach meiner Abreise aus dem Yoga-Ashram taten mir dann meine Beine auf eine noch nie dagewesene Weise weh. Ein weiterer Schnelltest musste dran glauben. Ergebnis: negativ! Weil ich die ganze Zeit eifrig Yoga praktiziert hatte, schob ich mein Beinleid auf eine seltsame Form von Muskelkater. Doch als ich am nächsten Morgen auch noch Kopf- und Halsschmerzen verspürte, stiegen eine schleichende Gewissheit und ein Gefühl von aufkommender Panik in mir hoch. Schließlich hatte ich die letzten Tage bei meinen Eltern verbracht, die zwar ebenfalls geimpft, aber nun mal nicht mehr die Jüngsten sind. Noch ein Schnelltest musste her und der war dann: POSITIV! Ich bekam die totale Angst um meine Eltern und verfluchte mich dafür, dass ich zu ihnen gefahren war. Doch die beiden Lieben trugen das über uns hereingebrochene coronale Leid mit Fassung, trösteten mich am Telefon und stellten mir das Frühstück vor die Tür meines ein­stigen Kinderzimmers, denn für uns war völlig klar, dass ich ab sofort in Quarantäne war.

Nichts steht fest trotz Test

Bei meinen vergeblichen Versuchen, das zuständige Gesundheitsamt zu erreichen, um es ordnungsgemäß über meine Infektion zu informieren, wurde ich womöglich wegen coro­naler Überlastung immer wieder aus der Leitung katapultiert. Also schrieb ich eine E-Mail.

Danach recherchierte ich, was es mit der Funktionstüchtigkeit dieser zweifelhaften Tests auf sich hat, und kam zu ernüchternden Ergebnissen: Der sogenannte Schnelltest, den man in einem Testzentrum oder selber zu Hause machen kann, schlägt erst Alarm, wenn eine gewisse Viruslast überschritten ist. An­steckend ist man aber vorher schon. Langsam frage ich mich ernsthaft, wozu diese ewige Schnelltesterei überhaupt gut sein soll, wenn sie in erster Linie dazu führt, dass man sich in falscher Sicherheit wiegt.

Einfach nur krank

Mittlerweile lag ich seit vier Tagen mit Delta im Bett, und glücklicherweise hatte es mich anscheinend nur in einem erträglichen Ausmaß erwischt. Neben Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie leichten Schüttelfrost ging es mir den Umständen entsprechend ganz okay. 

 Als nicht okay hingegen empfand ich die Antwort vom Gesundheitsamt Schaumburg, mit der ich schon gar nicht mehr gerechnet hatte. Per E-Mail teilte man mir mit, dass meine positiven Schnelltests und meine eindeutigen Symptome keineswegs ein Beweis für eine Corona-Erkrankung seien und ich mich daher unverzüglich in ein Testzentrum begeben soll, um einen zu einen PCR-Test zu machen.Hatte ich richtig gelesen? Ich solle mich mitsamt meiner bereits nachgewiesenen Viruslast in einem der überfüllten Testzentren einfinden und dabei das Risiko eingehen, andere Menschen anzustecken? Die Antwort kam prompt und war unglaublich, aber wahr. Sie lautete: „JA!“ Als ob man erst einen positiven PCR-Test bräuchte, um infek­tiös zu sein! 

 Seither frage ich mich, ob das Gesundheitsamt tatsächlich primär auf die Gesundheit der Menschen abzielt und nicht auf das sture Befolgen von offenkundig unsinnigen Anweisungen: Als sei Corona weniger eine ansteckende Krankheit, sondern vielmehr ein bürokratischer Akt. Denkende, fühlende und verantwortungsvolle Bürger*innen werden auf diese Weise fast zwangsläufig entmutigt und  entmündigt. Vor meiner Abreise aus dem Ashram wäre ich über einen PCR-Test äußerst dankbar gewesen, weil er im Gegensatz zu meinem Schnelltest sicher verlässlichere Erkenntnisse geliefert hätte, aber es wurde keiner angeordnet. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass nicht nur ich krank bin, sondern auch unser Gesundheitssystem.

Amtlich am Arsch

Auch meine Eltern, denen es übrigens glücklicherweise gut geht, konnten nicht fassen, dass meine bürgerliche Pflicht nun in erster Linie darin bestand, meine Corona-Infektion offiziell unter Beweis zu stellen. Doch so war es. Nachdem ich mich bei dem Mann im Testzentrum für meine Anwesenheit entschuldigt hatte, teilte ich ihm mit, dass ich an seiner Stelle lieber Abstand von mir halten würde. Er bekam große Augen, aber befolgte meinen Rat und stocherte mit weit ausgestrecktem Arm und spitzen Fingern in meinem Rachen herum, sodass ich leider auch noch Husten musste, was mir immer noch leid tut. Danach kehrte ich erschöpft in mein Bett zurück und fühlte mich vom Leben verarscht. 

Am sechsten Tag meiner Corona-Erkrankung ließ ich sie langsam hinter mir, am siebten war der Schnelltest negativ, am achten fühlte ich mich schon wieder ziemlich gut und am zehnten Tag rief das Gesundheits­amt an, um mir freundlich mitzuteilen, dass ich mich jetzt offiziell in Quarantäne befände.

FAZIT

Manche Corona-Regeln und Verfahrensweisen sind einfach Bullshit und gefährden die physische und psychische Gesundheit der gesamten Bevölkerung mehr, als dass sie vor der Krankheit schützen. Der gesunde Menschenverstand scheint in Pandemie-Zeiten kein Gehör mehr zu finden. Er wurde abgelöst von teilweise logisch nicht nachvollziehbaren Regelungen und einer neuen Form des unbedingten Gehorsams, der keine berechtigten Fragen mehr zulässt.

 

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