Harold and Maude

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01.02., 14.03. und 30.04. | Junges Theater | 20 Uhr: Um zu erleben, wie Agnes Giese in der Rolle ihres Lebens brilliert und große Lust darauf zu bekommen, nicht nur in Würde, sondern mit zauberhaften Knalleffekten das 90ste Lebensjahr zu erreichen, empfehlen wir dringend, ins Junge Theater zu gehen und sich Harold und Maude anzusehen ...

[Text: Vanessa Pegel | Fotos: Dorothea Heise]

Nach rund 15 innovativ inszenierten, aber glücklicherweise gescheiterten Suizidversuchen, lernt der 20-jährige vom Tod faszinierte Harold [Jens Tramsen] auf der Beerdigung eines ihm Fremden die vor Lebenslust übersprudelnde 89-jährige Maude [Agnes Giese] kennen und lieben. Im Laufe ihrer Beziehung beginnt Harold, das Leben in vollen Zügen zu genießen und als das zu nehmen, was es ist: ein Geschenk, das man jeden Tag aufs Neue an- und auspacken kann. Seine Liebe zur lebenserfahrenen und -wagenden Maude macht ihn frei von seiner Todessehnsucht und seiner dominant-ignoranten Mutter [Fabienne Elisabeth Baumann]. Selbige will ihn zwar dringend unter die Haube bringen, weshalb sie ihm mithilfe einer Dating-Plattform diverse verschrobene Anwärterinnen [Dorothea Röger] präsentiert, doch als sie Maude kennenlernt, fällt sie schier vom Glauben ab, woran auch Pfarrer Finnegan [Dorothea Röger] nichts ändern kann.

Agnes Giese brilliert in der Rolle ihres Lebens. So eine grandios-famose Maude hat die Welt noch nicht gesehen und doch, ohne es zu wissen, schon lange darauf gewartet! Dieses Wahnsinnsweib versprüht soviel Lebensmut und -freude, dass frau große Lust bekommt, nicht nur in Würde, sondern mit zauberhaften Knalleffekten das 90ste Lebensjahr zu erreichen. Jens Tramsen lässt den verkorksten Harold mit Herzblut und Hirnwut über sich hinauswachsen. Dorothea Röger und ihr unfassbar geniales Mienenspiel sind sowohl als Pfarrer sowie als Dating-Anwärterinnen eine so lustige Augenweide, dass man sich einfach nur krass beömmeln muss. 

Als uns der charming Dani an der jt-Theke vor dem Stück darüber in Kenntnis setzte, dass die Inszenierung von Christian von Treskow und Isabelle Küster drei Stunden lang dauern würde, entfuhr uns ein ungläubiges „Oh Gott, oh Gott!“. Aber nachdem die ersten eineinhalb Stunden wie im Flug an uns vorbeischossen, freuten wir uns nach der Pause auf die zweite Halbzeit wie auf ein Fußballspiel mit vielen Toren. Und ja, das Junge Theater hat es geschafft! Am Ende flossen mir ein paar ungewollte, aber doch herrliche Krokodilstränen über die Wangen, bevor der energische Applaus sie wegwischte.

Harold und Maude am 28.04., 17.05., 25.05., 23.06. und 29.06. um 20 Uhr im Jungen Theater.

 

 ↑ Auch Dorothea Röger entzückt wie verrückt als Pater Finnegan, obwohl das neben Agnes Giese und Jens Tramsen alles andere als ein leichtes Spiel ist.

 

 ↑ Fabienne Elisabeth Baumann spielt die undankbare Rolle der dominant-ignoranten Mutter mit quietschigem Verve und sucht vergeblich Unterstützung beim Psychologen Dr. Mathews, gespielt von Michael Johannes Mayer, der unser Herz zwar nicht in diesem Stück, aber im Yoga-Tatort Achtsam Morden mit Bravour eroberte. 

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